aus der langjährigen praktischen Erfahrung auf dem Zuchtbetrieb «Alpakas vom Ahornberg» (AvA).
Im Folgenden erhalten Sie Informationen und Tipps bei einer Normalgeburt mit einem gesunden Fohlen sowie Hinweise auf gelegentlich auftretende Probleme. Treten bei einer Geburt oder der Aufzucht von Fohlen Probleme irgendwelcher Art auf, so kontaktieren Sie bitte (sicherheitshalber) Ihren Tierarzt!
Dauer der Trächtigkeit
meistens 342 bis 350 Tage (331 – 367 Tage möglich)
Tageszeit Geburt
normalerweise zwischen 08.00 Uhr bis 16.00 Uhr, meist jedoch um die Mittagszeit
1. Geburtsphase
Die Stute ist unruhig, gibt Laute von sich, sucht auffallend oft den Kotplatz auf (kann 2 bis 6 Stunden dauern)
2. Geburtsphase
Deutlich gesteigerte Unruhe. Üblicherweise häufiges Aufstehen, Hinlegen, Umdrehen. Äussern von Schmerzlauten
Ausstoßen des Fohlens
Die 2. Phase dauert üblicherweise zwischen 30 Minuten bis zu 1 Stunde
3. Geburtsphase
Abgang der Plazenta 2 bis 3 Stunden nach der Geburt (Abgang und Vollständigkeit der Nachgeburt kontrollieren; Nachgeburt wird nicht gefressen!)
Austritt Fruchtwasser
Tritt Flüssigkeit aus der Scheide aus, so sollte das Fohlen nach spätestens 60 Minuten geboren sein
Verzögert sich die Geburt: als Notfall beim Tierarzt melden (Verdacht auf Fehllage oder ein anderes ernsthaftes Problem)
Geburtsstellung Stute
Die Geburt erfolgt üblicherweise im Stehen
Legt sich die Stute zum Auspressen hin, ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten, denn in dieser Lage besteht die Gefahr, dass die Fruchtblase nicht oder zu spät von alleine reißt
Wird im Liegen geboren, ist es ratsam, nach dem Austritt des Kopfes, die zähe Fruchtblase sofort zu öffnen und die Atemwege freizulegen (keine Panik! ruhiges Vorgehen!)
Normale Lage Fohlen
Das Fohlen wird im Normalfall in Vorderendlage geboren: Zuerst treten beide Füße/Beine aus, dann folgt der Kopf. Beim Austritt des Kopfes muss die Fruchtblase platzen
Reißt die Fruchtblase nach dem Austritt des Kopfes nicht von alleine, pflegen wir die Fruchtblase sicherheitshalber zu öffnen
Geburtspause
Es ist nicht unüblich, dass die Stute zu diesem Zeitpunkt (Fohlen hängt mit dem Kopf und eventuell eines Teils des Rumpfes aus der Scheide) eine kurze Geburtspause einlegt
Ist keine abnormales Verhalten der Stute ersichtlich, ist kein Eingreifen notwendig. Diese Stellung des Fohlens ist insofern von grossem Vorteil, weil das eventuell in die Atemwege gelangte Fruchtwasser austropfen kann.
Nabelschnur
Spätestens beim vollständigen Auswurf des Fohlens reißt die Nabelschnur
Fehllage Fohlen
Stellen Sie irgendwelche Fehllage des Fohlens fest und verfügen Sie nicht über die notwendige Erfahrung zur Geburtshilfe, so rufen Sie unverzüglich den Tierarzt zu einem dringenden Notfall!!!
Wenn immer möglich sollte die Stute in dieser Geburtsphase nicht mehr verstellt und/oder transportiert werden (Ausnahme: auf klare Anweisung des Tierarztes)
Wird Geburtshilfe geleistet: das Fohlen ausschließlich in Richtung des Euters/der Füße der Stute ziehen!!!
Zur Verhinderung von Infektionen Hygiene-Maßnahmen beachten (Fragen Sie Ihren Tierarzt)
Euter
Kontrolle Milcheinschuss
Anziehen von mindestens 2 (der 4) Zitzen (dazu Zitzen mit etwas Wasser anfeuchten)
Fehlender Milcheinschuss
meist eine oder mehrere Injektionen Oxytocin (durch Tierarzt) notwendig
Kolostralmilch
Für die Aktivierung des Immunsystems (und damit für das Gedeihen und die Gesundheit) und das Wecken der «Lebensgeister» des Fohlens, ist die Versorgung mit Kolostralmilch eine absolut zwingende Notwendigkeit
Verhalten Stute
Manche Stuten kümmern sich direkt nach der Geburt nicht gross um ihr Fohlen; sie lecken ihre Fohlen nicht (die Zunge ist auch sonst nicht für das Lecken eingerichtet!)
Erstgebärende Stuten können sich beim Tränken des Fohlens nervös/ungeduldig zeigen. Deshalb ist eine Separierung in einem kleinen Gehege (mit Blick auf Herde!) angezeigt
Stuten mit Erfahrung sind meistens sehr geduldig und kümmern sich gründlich um ihr Fohlen. Auffallend ist ein nahezu stetiges Summen zum Kontakthalten mit dem Fohlen. Es ist nicht selten, dass die Stute ihr Baby vor jedem Zugriff mit Spucken zu schützen versucht
Trennung Stute/Fohlen
Eine auch nur kurzfristige Trennung von Stute und Fohlen ist unter allen Umständen zu vermeiden, resp. darf nur im äussersten Notfall vorgenommen werden. Die Gefahr, dass die Stute ihr Fohlen nach einer Trennung nicht mehr annimmt ist sehr gross
Nabel
Desinfizieren mit Jod oder mit vom Tierarzt bezogenem Desinfektionsmittel (Vorsichtsmassnahme)
Absetzen Darmpech
Darmeinlauf zur Förderung der Pech-Ausscheidung (Mekonium) 12 bis 18 Stunden nach der Geburt
Ausschließlich körperwarmes Wasser verwenden! Auf keinen Fall Klistiermittel aus der Humanmedizin verwenden/kann tödlich sein!!!
Der Einlauf ist eine einfach durchzuführende Vorsichtsmassnahme: Trocknet das Darmpech ein, führt dies unweigerlich zu einem Darmverschluss mit tödlichem Ausgang
Trocknung
bei kaltem und/oder nassem Wetter: Trocknen des Fohlens mit Haarföhn (Mutter leckt das Fohlen nicht!)
Kälte-/Nässeschutz
bei garstigem Wetter: Schutzmäntelchen anziehen (Empfehlung: Mäntelchen Marke ‚Eisbär’, erhältlich u.a. bei Qualipet)
Unterkühlte Fohlen
Besonders in der kalten Jahreszeit oder bei misslichen Verhältnissen (meist im Freien) geborene Fohlen können an Unterkühlung eingehen. Bewährt hat sich, das Aufwärmen der Fohlen in 38° Celsius warmem Wasser
Dazu wird das Fohlen in einen Plastic-/Kehrichtsack gepackt und so rasch wie möglich und zudem solange im Wasser gehalten, bis die Körpertemperatur auf mindestens 37° Celsius angestiegen ist. Danach muss das Fohlen mit dem Föhn getrocknet, mit einem Mäntelchen bedeckt und unverzüglich zur Mutter zurück gebracht werden
Mutter mit Fohlen (und Gesellschaftstieren!) unbedingt in trockenen und durchzugsfreien Unterstand/Stall halten. Wärmelampe leistet nützlichen Dienst!
Überhitzung
Besonders bei schwächlichen Fohlen ist darauf zu achten, dass sie an der prallen Sonne nicht überhitzen.
Aufstehen
Gesunde Fohlen (mit einer normal/rasch verlaufenen Geburt) stehen nach etwa 30 bis 60 Minuten auf den Beinen. Nach 1 bis 2 Stunden sind sie in der Lage zu laufen und der Mutter zu folgen.
Kolostralmilch
Das Fohlen kann die im Kolostrum enthalten lebensnotwendigem Wirkstoffe (Immunoglobuline) längstens 18 bis 24 Stunden nach der Geburt aufnehmen
Es ist von grossem Vorteil, wenn die erste Versorgung mit Kolostralmilch 2 bis 4 Stunden nach der Geburt erfolgt. Üblicherweise finden Fohlen in dieser Zeit das Euter und versorgen sich selbständig
Längstens 6 Stunden nach der Geburt sollte das Fohlen erstmals selber getrunken haben
Hinweis: Verlassen Sie sich nicht auf die Schmatzgeräusche oder Wedel-bewegungen des Schwanzes. Kontrollieren Sie den Mund, an dem meist kleine Milchmengen kleben. Zuverlässige Hinweise sind Schluckbewegen/-Geräusche
Ist da Fohlen 6 Stunden nach der Geburt aus irgendwelchem Grunde nicht in der Lage selber zu trinken, so muss die Versorgung mit der Flasche (evtl. mit einer Spritze) sichergestellt werden
Bei der Verabreichung mit der Flasche oder der Spritze muss die Kolostralmilch zwingend Körpertemperatur (37,7° bis 38,9° Celsisus) aufweisen; sonst kann das Kolostrum nicht aufgenommen werden!
Ist das Fohlen unterkühlt: zuerst Fohlen bis zur Normaltemperatur aufwärmen und erst dann Kolostralmilch verabreichen
Ersatz Kolostralmilch
Kann die Mutter das Fohlen aus irgendwelchen Gründen nicht mit Kolostralmilch versorgen, so sollte – wenn immer möglich – aus dem Notvorrat Kameliden-Kolostralmilch (Alpaka oder Lama) verabreicht werden
Ist kein Kameliden-Kolustrum verfügbar, so kann notfalls auch Kolostralmilch von Ziege, Schaf oder Rind eingesetzt werden (nicht optimal – aber besser als kein Kolostrum)
Ersatz-Milch
Augrund eigener Erfahrung Textabschntt am 19.07.2009 überarbeitet!
Muss das Fohlen mit der Flasche aufgezogen werden, so kann kostengünstige UHT-Milch eingesetzt werden. UHT-Milch quillt/schäumt im Magen nicht auf und ist deshalb für Kameliden gut verträglich. Nachteil: für eine Vollversorgung ist der Nährwert (zu) gering.
Für die Aufzucht weitaus am besten bewährt sich frische Ziegenmilch (direkt vom Ziegenhalter bezogen)
Kuhmilch (ausgenommen UHT-behandelt) eignet sich wegen dem Aufquellen/Schäumen im Magen nicht als Ersatz-Milch.
Tagesbedarf Ersatz-Milch: zirka 12% bis 15% des Körpergewichts in 24 Stunden, im Rhythmus von etwa 2 bis 3 Stunden zu verabreichen.
Schwächliche Fohlen
Abmelken der Stute und Verabreichung mit Flasche (evtl. mit Spritze) sehr ratsam, anschliessend Säugen überwachen. Bei Bedarf Abmelken und Verabreichung wiederholen.
Versorgung am Tag der Geburt etwa jede Stunde (kleine Mengen!)
Vorsicht: Es darf keine Flüssigkeit in die Luftröhre/Lunge gelangen! Dies kann zu Lungenentzündung mit tödlichem Ausgang führen. Deshalb sehr kleine Mengen langsam eingeben und darauf achten, dass das Fohlen schluckt.
Hustet (röchelt) das Fohlen nach der Milcheingabe stark und anhaltend, so kontaktieren Sie sicherheitshalber den Tierarzt (eventuell drängt sich eine rasche antibiotische Behandlung zur Verhinderung einer Lungenentzündung auf)
Normale Milchaufnahme
Fohlen säugen im Rhythmus von etwa 2 bis 3 Stunden während jeweils 2 – 3 Minuten. Kürzere Säuge-Intervalle deuten auf geringe Milchleistung (Stute) oder auf zu kurze Säugedauer (Fohlen).
Frühgeburten
Frühgeburten sind unter anderem an der Zahnentwicklung (Schneidezähne noch nicht durchgestossen) und an der Stellung der Ohren (nicht aufrecht sondern gefaltet/abgeklappt) zu erkennen. Eventuell notwendige Massnahmen mit dem Tierarzt absprechen
Vorsorge
Fohlenlähme (Serum), am 1. Tag
Vitamin E/Selen, am 1. Tag
Clostridien-Impfung (Schutz vor Breiniere, Starrkrampf usw.), ab dem 3. Altersmonat
Nabelbruch
Kontrolle erst nach dem eigenständigen und vollständigen Abtrocknen der Nabelschnur durchführen!
Ist die Öffnung grösser als ein 2-Frankenstück: dem Tierarzt zeigen (muss unter Umständen genäht werden, um einen Darmdurchbruch zu vermeiden)
Geburtsgewicht
Sobald das Fohlen trocken ist: Mit einer auf 100 Gramm genauen Waage das Geburtsgewicht erheben. Dies erlaubt, die Entwicklung des Fohlens zu kontrollieren.
Das Geburtsgewicht eines Alpakas liegt üblicherweise zwischen 5,5 Kilogramm und 8,0 Kilogramm.
Gewichtszunahme
Ab dem dritten Tag nach der Geburt sollte die tägliche Gewichtszunahme zwischen 150 Gramm bis 250 Gramm betragen
Kennzeichnung
Jedes Tier sollte - allein schon aus Sicherheitsgründen - unverwechselbar gekennzeichnet werden. Am einfachsten ist das implantieren eines Mikrochips (System Data Mars). Diese können bei den Zuchtverbänden oder beim Tierarzt bezogen werden.
Geburtsgewicht
5,5 bis 10,0 Kilogramm
Körpertemperatur
37,7° bis 38,9° Celsius
Puls
60 bis 100 Pulsschläge
Atmung
10 bis 30 Atemzüge
Zeit bis zum Aufstehen
30 Minuten (10 bis 120 Minuten)
Zeit bis zum Säugen
45 Minuten (20 bis 180 Minuten)
Säuge-Rhythmus
1 x pro Stunde während 2 bis 3 Minuten
Absetzen des Darmpechs
18 bis 24 Stunden nach der Geburt
Erstes Absetzen von Urin
18 Stunden nach der Geburt
Für die Durchsicht des Manuskripts danken wir dem tierärztlichen Praxiszentrum Winzap & Bächler (Dr. med. vet. FVH Bruno Winzap), Gätzlistrasse 12, 6340 Brunnen. Die Praxis betreut unsere Alpakaherde seit 1992 und inzwischen auch die meisten Alpaka- und Lamabetriebe im weiteren Enzugsgebiet.